Conceptual art is a bunk...It’s a felt, it’s feeling, it’s felt

(Robert Smithson)

Symposium: Conceptual art is a bunk...It’s a felt, it’s feeling, it’s felt

12. Dezember 2013, 17–20 Uhr (Englisch) 
Symposium 


Das Symposium greift Themen und Motive der Ausstellung Against Method auf, mit deren Titel sich die Kuratorin Gertrud Sandqvist auf Paul Feyerabends Buch Wider den Methodenzwang. Skizze einer anarchischen Erkenntnistheorie von 1983 (Orig.1975) beruft. Darin schreibt der Philosoph gegen die rationalistische Methodologie einer auf universelle Gültigkeit zielenden Wissenschaftstheorie an und zieht Erkenntnisgewinn durch exakte und systematische Methoden in Zweifel. Stattdessen schlägt er „irrationale Mittel“ als Grundlage experimenteller Forschung vor und ermuntert Wissenschaftler_innen künstlerischen Vorgehensweisen zu folgen. Feyerabends Kritik traf mit dem Höhepunkt der Konzeptkunst zusammen, als Künstler_innen ihrerseits Strukturalismus und rationalistische, wissenschaftliche Methoden in ihre Werke zu integrieren suchten. Die Beiträge des Symposiums greifen die Wechselbeziehungen von Strukturalismus und Konzeptkunst auf und gehen näher auf die Frage ein, inwiefern die Konzeptkunst mit der Aneignung strukturalistischer Theorien an die Grenzen ihrer Rationalisierungsversuche gestoßen ist. 

In ihrem Vortrag untersucht Eve Meltzer die Reintegration des menschlichen Subjekts in konzeptuelle Arbeiten und wie Affekt und System einander bedingen und ergänzen; der Künstler Joachim Koester dagegen widmet sich Sol LeWitts Analyse des Nichtrationalen in dessen Schriften und minimalistischen Objekten. In ihrer Lecture-performance initiiert Elisabeth von Samsonow gemeinsam mit der Künstlerin Ida-Marie Corell einen kritischen Dialog zu Methodenfrage und Wissensproduktion.


17:15 Uhr

Eve Meltzer

Systems We Have Loved

Vortrag (Englisch)

Systeme mögen unserer Zuneigung nicht würdig erscheinen, sind sie doch von Natur aus unpersönlich und entmenschlicht. Der Vortrag, der auf Eve Meltzers gleichnamigem Buch beruht, geht der Besonderheit einer „Liebesbeziehung“ nach, die die affektiven Dimensionen zahlreicher Werke der Konzeptkunst der 1960er- und 1970er-Jahre sowie die strukturalistische Theorie kennzeichnet, die etwa zur selben Zeit Bedeutung erlangte. In der eingehenden Auseinandersetzung mit dem Werk von Künstler_innen und Kunsthistoriker_innen wie Robert Smithson, Mary Kelly und Rosalind Krauss unterzieht Systems We Have Loved die im späten 20. Jahrhundert vorherrschende Betrachtungsweise des menschlichen Subjekts einer Neueinschätzung im Kontext dessen, wie dieses in wichtigen Werken der Kunst, der Philosophie und der Literaturkritik der Zeit vorausgesagt, festgestellt und in Zweifel gezogen wurde.

 

Eve Meltzer ist Associate Professor of Visual Studies an der NYU Gallatin School of Individualized Study und lehrt am Department of Art History. Ihr Buch, Systems We Have Loved: Conceptual Art, Affect, and the Antihumanist Turn (University of Chicago Press, 2013) verortet die konzeptuelle Kunstbewegung in Bezug auf das Feld des strukturalistischen Denkens und bietet eine neue Kontextualisierung von zwei der transformativsten Bewegungen des 20. Jahrhunderts und ihrem gemeinsamen Traum von der Welt als einem umfassenden Zeichensystem. Ihr zweites Buch, mit dem vorläufigen Titel Group Photo: The Psycho-Photographic Process and the Making of Group Identity, erkundet die These, dass die Gruppenidentität, zumindest seit der Erfindung der Fotografie, wenn nicht schon vorher, ihre Grundlage darin hat, was man „psycho-fotografische“ Konsistenz nennen könnte.

  

18:00 Uhr

Joachim Koester

Conceptual artists are mystics rather than rationalists

Vortrag (Englisch)

Sol LeWitts minimalistische Strukturen mit dem Begriff des Nichtrationalen in Verbindung zu bringen, wie er es in seinen „Sätzen über konzeptuelle Kunst“ von 1969 formulierte, ist bereits ein Thema für sich. „Er bewegt sich außerhalb der Parameter dessen, was gemeinhin erwartet wird“, wie Lynne Cooke schreibt. Die „neuen Erfahrungen“, die seine „Kunstproduktionsmaschinen“ hervorbringen, sollte man vielleicht nicht nur als etwas Greifbares verstehen, sondern als Einladung, neue Wege durch jene Landschaft zu beschreiten, die sein Werk und dessen kritische Rezeption schafft. Das entspricht dem, was seine ersten drei „Sätze“ ausführen; sie umreißen ein Spiel, in dem wir etwas zu klären versuchen, was aller Wahrscheinlichkeit nach ungeklärt bleiben wird. (Joachim Koester)

 

Joachim Koester ist Professor für Bildende Kunst an der Malmö Art Academy der Lund University. Seine filmischen und fotografischen Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Dokumentation und Fiktion. Der Künstler interessiert sich für Leerstellen und Momente der Unbestimmtheit im Schreiben und Erzählen von Geschichte. Dabei handelt es sich häufig um exzentrische Protagonisten und Mythen, die er neu entdeckt und subtil reartikuliert. Koester hatte Einzelausstellungen u. a. in The Kitchen, New York (2005), am Moderna Museet, Stockholm und bei Extra City, Antwerpen (2007), in der Kestner Gesellschaft Hannover und The Power Plant, Toronto (2010), im MIT List Visual Arts Center, Cambridge und S.M.A.K., Gent (2012), sowie im Palais de Tokyo, Paris (2013). Koester war bei der documenta X (1997), der Biennale von Venedig (2005, 2007), der Moscow Biennale und Tate Triennale (2009) und der 29. Biennale von Sao Paulo (2010) vertreten. Er lebt und arbeitet in New York und Kopenhagen.

  

18:45 Uhr

Elisabeth von Samsonow

Hybrid Knowledge

Lecture-performance (Englisch)

Gast: Ida-Marie Corell, Künstlerin

Den von Paul Feyerabend betonten Umstand bestätigend, dass der Fortschritt des Wissens auf einer reichen Vielfalt von Operationen beruht, bietet dieser Vortrag eine Transgenderdebatte in Form eines Dialogs zwischen einer Philosophin und einem Baum an. Während sich Elisabeth von Samsonow kritisch der Methodenfrage widmet, bringt Ida-Marie Corell eine riesige Weide zum „Singen“. Wie Sprache als ekstatischer Ausdruck verstanden wird, so der Klang der Weide als Ausdruck ihres Willens, Noemas und Verlangens. Der Vortrag unterstreicht die Beziehung zwischen Denken und Fühlen, Syntax und Chaos. Die Weide steht für einen Augenblick der Nostalgie, die unvermeidlich ins Spiel kommt, wenn die Geschichte weiblichen Wissens rekonstruiert oder neu erzählt wird.

Skulptur von Elisabeth von Samsonow, 2013 (Weide, Acrylfarbe, Saiten)

 

Elisabeth von Samsonow ist Philosophin und Künstlerin. Nach dem Studium der Philosophie (u.a. bei Paul Feyerabend), Katholischen Theologie und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Abschluss 1987 mit einer Arbeit über Johannes Kepler) lehrte sie in München und ab 1991 an der Universität Wien. In ihrer frühen Forschung widmete sie sich der Philosophie der Renaissance, insbesondere deren okkulten, neo-platonischen, nicht-aristotelischen Formen wie Astronomie, Kosmologie, Medizin, Magie. Mehrere Arbeiten befassen sich mit der Philosophie Giordano Brunos. 1996 wurde sie als Professorin für Sakrale Kunst an die Akademie der bildenden Künste Wien berufen. Heute lehrt sie dort als Professorin für philosophische und historische Anthropologie der Kunst. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Philosophie und Religionsgeschichte, Theorie des kollektiven Bewusstseins, Geschichte und Gegenwart der Beziehung zwischen Kunst und Religion, Theorie und Geschichte der Wahrnehmung der Frau sowie weibliche Identität, sakrale Androgynität und die Aufhebung des Ichs in der Moderne. Neben zahlreichen Artikeln in Publikationen im In- und Ausland erschienen von ihr u.a. Die Erzeugung des Sichtbaren. Die philosophische Begründung naturwissenschaftlicher Wahrheit bei Johannes Kepler (1986), Fenster im Papier. Die imaginäre Kollision der Architektur mit der Schrift oder die Gedächtnisrevolution der Renaissance (2001), Anti-Elektra. Totemismus und Schizogamie (2007), Myth and Fashion (2009), zuletzt Egon Schiele: Ich bin die Vielen (2010), Deleuze and Contemporary Art (2010) und Egon Schiele: Sanctus Franciscus Hystericus (2012).
 

19:30 Uhr

Abschließende Diskussion mit allen Teilnehmer_innen (Englisch)

Moderation: Gertrud Sandqvist, Kuratorin

 

Gertrud Sandqvist ist Professorin für Theorie und Ideengeschichte der bildenden Kunst an der Kunstakademie Malmö der Universität Lund in Schweden. Seit 2011 ist sie, wie zuvor schon von 1995 bis 2007, Dekanin der Kunstakademie. Von 1992 bis 1994 leitete sie die Galleri F 15 in Norwegen. 1989 gründete Sandqvist Siksi – the Nordic Art Magazine, das sie bis 1990 auch herausgab. Sie ist eines der Gründungsmitglieder des European Art Research Network (EARN) und war von 1998 bis 2002 Jurymitglied des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Umfangreiche Publikationstätigkeit hauptsächlich zu nordischer und europäischer zeitgenössischer Kunst.